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Wird der Winter hart, dann wachsen die Ameisenhügel |
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Text und Fotos: Balthasar. Teilweise Veröffentlichung von Text und Fotos am 24. Dezember 2007 als Sonder- seite in der Gifhorner Aller-Zeitung.
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Satelliten, Messstationen, aufwändige und teure Technik und komplizierte Berechnungen: All das braucht
die 1930 in Langwedel geborene Hilde Meyer nicht, um das Wetter voraus zu sagen. Ihre „Werkzeuge“ stammen direkt aus der Natur, sind aber deshalb nicht weniger effektiv. Sie sagt das Wetter
voraus, indem sie Sonne, Mond und Wind sowie die Tiere beobachtet. „Ich bin in der Landwirtschaft aufgewachsen und immer draußen gewesen. Das Wetter war für uns immer wichtig, davon hing so
viel ab in unserem Leben“, erzählt Meyer. Alle Wetterweisheiten hat sie im Laufe der Jahre von ihrem Vater gelernt. „Wenn wir auf dem Feld waren oder mein Vater mich auf die Jagd mitgenommen hat,
dann hat er mir viele Dinge beigebracht. Ich musste immer die Natur, die Tiere beobachten und meine Beobachtungen mit den Ereignissen in den Vorjahren und dem Wetter vergleichen.“ |
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So habe sie beispielsweise die Erfahrung gemacht, dass die Höhe der Ameisenhaufen Aufschluss über den zu
erwartenden Winter gibt. „Je höher die Ameisenhaufen im Herbst werden, desto härter wird der Winter“, sagt Meyer. Denn je mehr Material wie Blätter und Tannennadeln auf dem unterirdischen Nest
der Ameisen liegt, desto geringer ist die Frostgefahr für die Tiere. Neben Ameisen liefern vor allem auch Gänse Hinweise darüber, wie das Wetter wird, weiß Hilde Meyer. Sie liest aus den
Brustknochen ab, wie der kommende Winter wird. Das klappt allerdings nur bei frei laufenden Gänsen. „Bei Mastgänsen ist der Knochen insgesamt zu dunkel, die Verfärbung zu stark“, sagt sie. Und
auf die Verfärbung kommt es an. Je dunkler der obere Bereich des Brustknochens ist, desto kälter wird der Winter. Je breit gezogener die Verfärbung sich über die Knochenlänge hinzieht, desto
länger dauert die kalte Jahreszeit. Doch zur Vorhersage für den Winter 2007/2008 brauchte die Wahrenholzerin weder Ameisenhaufen noch Gänseknochen. In jedem Garten standen die Wetterboten.
„Wir bekommen einen milden, aber langen Winter“, sagte sie mit Blick auf Blumen und Bäume im Herbst 2007. „Viele Blumen blühten in diesem Jahr zweimal. Im Herbst gab es sogar Bäume, die ein
zweites Mal geblüht haben“, wertet sie die Zeichen der Natur aus. Ihre wichtigsten Wetterboten sind jedoch der Mond und der Wind. „Die machen das Wetter. Die Sonne wärmt nur und lässt anhand
ihres Aussehens Schlüsse auf das kommende Wetter zu.“ Wie am Neujahrstag beispielsweise. „Die Sonne muss am 1. Januar normal gelb sein, wenn sie aufgeht. Dann gibt es im Jahresverlauf auch
vernünftiges Wetter. 2007 sah die Sonne aus wie eine Apfelsine, und wir hatten viele Unwetter“, blickt Meyer zurück. Schlechtes Wetter verkündet die Sonne laut Meyer auch, wenn sie vor einer
„schwarzen Wand“, einem schwarzen Horizont, untergeht. |
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Auch anhand des Mondes lässt sich laut Meyer das Wetter vorhersagen. „Wenn der Mond wie eine Schale aussieht und sich fast
auf den Rücken legt, dann ist das ein Zeichen dafür, dass es Regen geben wird. Die Schale fängt dann das Wasser auf“, sagt die Wahrenholzerin. Beugt sich der Mond dagegen nach vorne mit seiner oberen Spitze,
dann „stemmt er sich gegen den Wind oder den Sturm, der kommen wird“, so Meyer. „Früher gab es keinen Ultraschall. Wenn da ein Kind bei Vollmond geboren wurde, gingen die Leute davon aus, dass das folgende
Geschwisterkind das gleiche Geschlecht hatte“, weiß sie, dass der Mond mehr kann als das künftige Wetter anzuzeigen. Ihr Wissen holt sie aus ihren täglichen Beobachtungen, die sie seit ihrer Kindheit
macht. „Ich gehe mehrmals am Tag vor die Tür und sehe mir die Sonne an, nachts auch den Mond, und vergleiche dann das kommende Wetter mit früheren Beobachtungen.“ Den Wind beobachtet sie ebenfalls täglich.
Wichtig ist, wo er morgens und abends herkommt. „Geheizt wird bei mir mit Holz. Das ist natürlich, ein Baum setzt beim Verbrennen nur soviel CO2 frei, wie er im Laufe seines Lebens gebunden hat, und Bäume
wachsen nach. Und außerdem kann ich durch den Rauch, der aus dem Schornstein kommt, die Richtung bestimmen, aus welcher der Wind kommt, und auch seine Stärke.“ Verschiedene Regeln hat Meyer aufgestellt,
wenn es um die Wettervorhersage nach dem Wind geht. „Je nachdem, aus welcher Richtung der Wind zu Ostern kommt, wird das Wetter in den folgenden vier Wochen“, sagt sie beispielsweise. Bläst der Wind 48
Stunden lang regelmäßig von Osten, dann gibt es die folgenden drei Wochen gutes Wetter, besagt eine andere ihrer Regeln. Gutes Wetter bedeutet in diesem Fall im Sommer Sonne und im Winter klare Luft mit
Frost, so Meyer. „Im April war das so, daher hatten wir da fast vier Wochen lang Sommer“, erinnert sie an die heißen Tage im Frühjahr 2007. Eine andere Regel besagt, dass Weihnachten ins Wasser fällt, wenn
es am 2. Dezember regnet. Wichtige Termine sind für Hilde Meyer die so genannten Quatember, von denen es vier im Jahr gibt. Quatember sind die drei Fasttage Mittwoch, Freitag und Samstag, die viermal im
Jahr stattfinden, und zwar nach Pfingsten, Kreuzerhöhung (14. September), Sankt-Lucia-Tag (13. Dezember) und dem ersten Sonntag in der Fastenzeit. An den Quatembern soll nach alter Überlieferung das folgende
Wetter abzulesen sein. „Der Februarquatember hat das Wetter für August und zum Teil für den Winter bestimmt“, sagt die 78-Jährige. Der Wind sei bis Februar vorwiegend aus Südosten gekommen. „Das hat uns den
ganzen Regen im August 2007 gebracht. Außerdem gab es im Winter viel Niederschlag“, sagt Meyer. Meyer richtet sich außerdem nach den so genannten Nodel-Tagen ab dem 2. Weihnachtsfeiertag. „Der Sommer
entscheidet sich zwischen Weihnachten und Neujahr“, sagt sie. Die Tage vom 26. bis zum 31. Dezember sagen das Wetter der Monate Januar bis Juni voraus, die Tage vom 1. bis zum 6. Januar das Wetter Monate
Juli bis Dezember. Wenn es Weihnachten oder Neujahr ein Gewitter gibt, dann wird es laut Meyer das gesamte folgende Jahr Gewitter geben, wenn auch nicht unbedingt so stark wie an den Festtagen. Außerdem
bedeuten diese Gewitter, dass es zum Herbst hagelt. Dass die Wahrenholzerin mit ihren Vorhersagen richtig liegt, ist im Ort längst kein Geheimnis mehr. „Wenn ich unterwegs bin, dann fragen mich die Leute,
wie das Wetter wird. Und die Leute achten auf das, was ich sage“, freut sich Meyer. Gerne erzählt sie in diesem Zusammenhang von Weihnachten 1968. „Damals haben wir gerade unser Badezimmer umgebaut. Auf dem
Wagen hatten wir Beton, und der sollte über Nacht draußen bleiben, weil es warm genug schien.“ Dann aber machte Meyer ihre abendliche Runde und mahnte Mann und Sohn, den Beton vom Wagen zu holen. „Ich
habe auf den Wind geachtet und gesagt, es wird Winter. Dann haben wir den Beton reingeholt, und es wurden Minus zehn Grad. Da wäre uns alles kaputt gefroren. Es gab dann einen langen Winter“, erinnert sich
die Wahrenholzerin. Aufgeschrieben hat sie inzwischen viele ihrer Beobachtungen in einem allgemeinen Bericht. Einzelheiten oder ihre „Bauernweisheiten“ dagegen will sie nicht aufschreiben. „Das musste ich
alles selber lernen. Die Leute heutzutage haben kein Gefühl mehr für das Wetter. Wenn sie alles nur ablesen, bringt das nichts. Sie sollen sich auch intensiver damit befassen.“ |
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Neben der Wetterkunde sind Steine ihre große Leidenschaft. Jedes Jahr hilft sie beim Kartoffelroden in ihrer
Heimat Langwedel und sammelt Steine vom Feld. „Es hält mich frisch, an der Luft zu sein und mich zu bewegen.“ Deshalb ist sie auch viel mit dem Fahrrad unterwegs. „Mehrere Tausend Steine“ hat
Meyer nach eigener Schätzung, ganze Kisten voll stehen im Schuppen. Die schönsten Exemplare liegen im Haus verteilt und werden stolz Besuchern gezeigt. Aber für Meyer sind es nicht einfach nur
irgendwelche Steine. „Man muss sie sich mit viel Fantasie ansehen. Jeder hat eine bestimmte Form oder Farbe und erinnert an etwas“, sagt sie. Ihr Blick, ihre Stimme und die Art, wie Meyer die
einzelnen Steine anfasst, lassen keinen Zweifel daran, wie sehr die Frau mit der Natur verbunden ist. Ihre Steine nennt sie Maus, Pilz, Kugel - je nach Beschaffenheit. Von modernem Gerät wie
Satelliten hält Hilde Meyer nicht viel. „Wir haben heute gar keine richtigen Jahreszeiten mehr, und die Wetterlage hat sich um vier oder sechs Wochen verschoben. Das haben wir uns alles selbst
kaputt gemacht. Den Mond haben wir total zerstört, indem wir unsere ganzen Erfindungen da hoch geschickt haben. Wir haben dort oben nichts verloren“, sagt sie mit Nachdruck. Der Klimawandel
bringe alle Katastrophen aus dem Süden nach Deutschland. „Wenn es im Süden ein Unwetter gibt, haben wir es drei Wochen später hier, wenn auch nicht so stark. Aber dadurch wird es hier immer
wärmer und verregneter. Der Wind schickt das alles zu uns her. Würden die ganzen Katastrophen im Norden passieren, dann würde der Wind Kälte und Schnee bringen“ |
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Sie macht die Menschen für den Klimawandel verantwortlich. „Alles, was tiefer als einen halben Meter unter der Erde liegt,
ist Unrat. Und wir holen das Zeug hoch und pusten es über unsere Autos und Flugzeuge in den Himmel. Das kann nicht gut sein.“ |
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